Kameras
Der Kameraratgeber - so das passende Modell finden
Zeitweise sah es nicht gut aus für Kameras. Smartphones hatten sie nahezu verdrängt, Bild 1. Aber jetzt hat der Wind gedreht. Es entscheiden sich wieder mehr Menschen dafür, sich eine eigene Kamera zuzulegen. Es ist einfach etwas anderes, ein Foto mit einer Kamera statt mit dem Smartphone zu machen. Ausserdem bieten viele Kameras mehr Kontrolle sowie kreative Möglichkeiten beim Fotografieren.
Abgesehen von einfachsten Kompaktkameras können Sie mit den meisten Digitalkameras gezielter fotografieren und etwa Blende oder Verschlusszeit manuell einstellen. Auch haben viele Fotoapparate einen optischen Zoom und keinen digitalen, der die Aufnahmen nur näher heranholt, dabei aber die Bildqualität verschlechtert. Gerade in schwierigen Situationen, etwa bei wenig Licht oder feinen Details, schwächeln viele der in Smartphones integrierten, relativ kleinen Linsen.
Daneben gibt es einen weiteren Grund, der für eine echte Kamera spricht. Zahlreiche Kunden kaufen sie sich nicht nur wegen der Technik, sondern wegen der anderen Art des Fotografierens, die sie damit verbinden. Viele Apparate haben einen Sucher, durch den man hindurch schauen kann, und nicht nur ein Display. Dazu kommen oft haptische Bedienelemente wie Drehregler und Knöpfe, deren Bedienung einfach Spass macht. Das fördert wieder ein bewussteres Fotografieren anstatt der schnell gemachten, aber oft recht beliebigen Smartphone-Aufnahmen.
Bild 1: Ein Smartphone zum Fotografieren, wie hier das Samsung S25 Ultra, hat heute jeder in der Tasche
PCtippDer Kauf einer Kamera – meist zusätzlich zu der im Smartphone – ist daher wieder für mehr Menschen interessant geworden. Das gilt besonders für diejenigen, die Fotografie ernsthaft als Hobby betreiben wollen und die Freude an Gestaltung und Technik haben.
Die Zahlen des Industrieverbands CIPA, der Camera & Imaging Products Association, belegen den Trend. Nach einer langen Flaute werden nun wieder mehr Digitalkameras produziert, Bild 2. Von 2010 bis 2023 sank ihre Zahl von weltweit 120 Millionen auf nur noch 7,8 Millionen Stück im Jahr 2023. Seitdem geht es wieder bergauf.
So produzierten die Hersteller 2024 mit 8,3 Millionen Kameras erstmals wieder 6 Prozent mehr Geräte als noch ein Jahr zuvor. 2025 erfolgte dann ein noch grösserer Sprung um fast 10 Prozent auf 9,1 Millionen Stück. Die Gesamtzahlen liegen sogar noch ein wenig höher, da die CIPA nur Daten von japanischen Herstellern erhebt. Das sind zwar nahezu alle grossen Anbieter wie Canon, Fujifilm oder Sony, aber nicht Hersteller wie Hasselblad aus Schweden oder Leica aus Deutschland. Allerdings besteht ein Unterschied zwischen hergestellten und tatsächlich verkauften Kameras. Er dürfte jedoch nicht allzu gross ausfallen, da sich die Hersteller aufgrund der geringeren Mengen eine Überproduktion kaum leisten können.
Bild 2: Seit dem Jahr 2024 steigt die Zahl der von den grossen japanischen Herstellern produzierten Kameras erstmals wieder
PCtippEinsatzzwecke
Wer sich eine Kamera für Reisen oder Ausflüge kaufen will, sollte auf mehrere Punkte achten. Meist passen ein kompaktes Format sowie ein geringes Gewicht am besten. Ebenso wichtig sind ein ausdauernder Akku, der im Optimalfall auch wechselbar ist und günstig nachgekauft werden kann, sowie ein flexibler optischer Zoom, Bild 3. Dafür eignen sich sowohl Kompaktkameras als auch kleinere spiegellose Systeme. Wenn Sie gerne Unterwasseraufnahmen machen würden, greifen Sie zu einem wasserdichten Modell, Bild 4.
Bild 3: Viele Kameras unterstützen Wechselakkus, hier ein NP-95-Akku für Fujifilm-Kameras
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Bild 4: Spezielle Kameras wie die OM System Tough TG-7 sind wasserdicht und besonders robust
PCtippWer sich dagegen auf Sport- und Actionaufnahmen konzentrieren will, benötigt ausser einer guten Bildqualität vor allem einen möglichst schnellen Autofokus. Ausserdem sollte die Kamera in der Lage sein, Serienbilder in hoher Geschwindigkeit aufzunehmen. Ebenso nützlich sind hier Teleobjektive mit hohen Brennweiten, da die aufzunehmenden Objekte oft etwas weiter entfernt sind. Dafür eignen sich vorwiegend spiegellose APS-C- oder Vollformatkameras.
Für Familie und Alltag bieten sich vorwiegend zuverlässige und robuste Kameras mit einer einfachen Bedienung und guter Automatik an. Hier reicht die Palette von relativ simplen Einsteigerkameras bis zu hochwertigen Premium-Kompaktkameras.
Die Kameratypen
Kompaktkameras sind, wie der Name schon sagt, relativ klein und leicht. Ausserdem sind sie meist unkompliziert in der Bedienung. Sie haben allerdings den Nachteil, dass sie kaum erweiterbar sind. Ihre Objektive sind fest verbaut, lassen sich also nicht wechseln.
Daneben gibt es mit den Spiegelreflexkameras (DSLR) echte Klassiker, die neben einer ausgereiften Technik eine grosse Auswahl an Objektiven bieten, Bild 5. Aber sie sind relativ gross. Ausserdem schrumpft hier das Angebot aufgrund der nachlassenden Nachfrage zugunsten der sogenannten spiegellosen Systemkameras (DSLM). Diese bieten eine gute Mischung aus Qualität und Technik. Sie sind zudem kompakter und meist mit modernen und schnellen Autofokussystemen sowie einem breiten Angebot an Objektiven ausgestattet.
Bild 5: Für digitale Spiegelreflexkameras wie die Canon EOS 5D Mark IV gibt es ein breites Angebot an passenden Objektiven
PCtippDazwischen gibt es noch die Bridge-Kameras. Sie kombinieren Eigenschaften von Kompakt- und Systemkameras. In der Regel sind sie leicht bedienbar und mit einem fest installierten Objektiv mit einem sehr grossen Zoom ausgestattet. Meistens sind sie günstiger als Systemkameras mit einem Wechselobjektiv, haben aber auch kleinere Sensoren und liefern deshalb eine etwas schlechtere Bildqualität. Trotzdem sind sie gerade für Hobbyfotografen ein guter Allround-Kompromiss für den (Wieder-)Einstieg.
Verbreitete Sensorgrössen
Die Grösse des Sensors hat Einfluss auf die Bildqualität und das Rauschen, Bild 6. Letzteres entsteht, wenn der Sensor etwa bei wenig Licht versucht, das Bild aufzuhellen. Dabei entstehen Störungen, was als Rauschen bezeichnet wird. Vollformatkameras bieten die beste Bildqualität, sind aber grösser und teurer. Ein Vollformatsensor entspricht der Grösse eines analogen 35-mm-Kleinbildfilms.
Viele Systemkameras verwenden die etwas kleineren APS-C-Sensoren. Sie können allerdings weniger Licht aufnehmen. Dadurch sinkt der Dynamikumfang im Vergleich zu Vollformatsensoren. Ausserdem ist der Bokeh-Effekt für Unschärfebereiche im Bild weniger stark ausgeprägt. APS-C-Sensoren haben einen Crop-Faktor von 1,5 oder 1,6 (der Crop-Faktor beschreibt das Verhältnis der Grösse eines Bildsensors zum klassischen Vollformat). Dadurch wirkt ein Objektiv mit einer Normalbrennweite von 50 mm bei ihnen wie ein leichtes Teleobjektiv.
Kompaktkameras nutzen vielfach kleinere 1-Zoll-Sensoren. Diese sammeln weniger Licht als APS-C oder gar Vollformat. Das sorgt für stärkeres Bildrauschen und schwächere Dynamik bei schlechten Lichtverhältnissen. Auch der Bokeh-Effekt ist schwieriger zu erreichen. Der Crop-Faktor liegt hier bei 2.
Bild 6: Ein 40-Megapixel-Sensor wie er von Fujifilm in der High-End-Kompaktkamera X100VI verbaut wird
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Bild 7: Hochwertige und teure Objektive von Canon erkennen Sie am roten Streifen
PCtippObjektive sind wichtig
Ein verbreiteter Fehler beim Kauf einer Kamera mit Wechelsobjektiv ist, sich auf ein teures Gehäuse zu konzentrieren und bei den Objektiven zu sparen. Bei der Bildqualität spielen sie aber eine grosse Rolle. Sie nehmen das auf dem Sensor eintreffende Licht auf und bestimmen damit, wie scharf, kontrastreich und farbrein die Aufnahme wird.
Objektive halten in der Regel auch viel länger als Kameras. Gute Modelle können 10 bis 20 Jahre und länger genutzt werden. Wenn man auf den passenden Bajonettverschluss wie Canon EF/RF, Nikon F/Z oder Sony E achtet, lassen sich bereits vorhandene Objektive bei einem Kamerawechsel oft weiterverwenden. Es lohnt sich, in gute Objektive zu investieren, Bild 7.
Bild 8: Die Zoom-Objektive decken oft einen sehr grossen Bereich ab, hier ein Modell von Tamron mit 150–500 mm Brennweite
PCtippDie Brennweite wird in Millimetern (mm) angegeben. Sie bestimmt den Bildausschnitt. Weitwinkelobjektive mit Brennweiten unter 35 mm eignen sich besonders gut für Aufnahmen von Landschaften, Gebäuden oder Innenräumen. Das Segment um 50 mm ist der sogenannte Normalbereich, der dem menschlichen Auge ähnelt. Ab etwa 70 mm beginnen die Teleobjektive, mit denen Sie entfernte Motive näher heranholen.
Einsteiger greifen oft zu günstigen Zoom-Objektiven. Sie sind flexibel und decken eine grössere Bandbreite ab, Bild 8, allerdings auf Kosten der Bildqualität. Festbrennweiten bieten in der Regel eine bessere Qualität und sind meist auch lichtstärker. Profis nutzen oft eine Kombination aus mehreren Festbrennweiten und ein bis zwei hochwertigen Zooms.
Kaufempfehlungen
Werden wir konkret: Im Folgenden finden Sie unsere Kameraempfehlungen für jedes Budget und unterschiedliche Anforderungen.
Für absolute Einsteiger
Für kleine Budgets bietet sich die Kompaktkamera Kodak PixPro FZ55 an, Bild 9. Bei Galaxus und Brack gibt es sie ab 120 Franken. Ausgestattet ist sie mit einem 1/2,3-Zoll-Sensor mit 16 Megapixeln sowie einem fünffachen optischen Zoom mit einer Brennweite von 28–140 mm. Allerdings ist das Objektiv nicht sehr lichtstark und es fehlt ein optischer Bildstabilisator. Videos speichert die Kamera in Full HD. Bei Tageslicht oder in gut beleuchteten Räumen macht sie anständige Bilder.
Bild 9: Die Kodak PixPro FZ55 richtet sich vorwiegend an absolute Einsteiger
PCtippFür Foto-/Videoeinsteiger
Die Kompaktkamera Sony ZV-1 II, Bild 10, ist im Vergleich zur Kodak PixPro FZ55 ein deutlicher Qualitätssprung. Sie ist der Nachfolger der bereits 2020 auf den Markt gekommenen Vlogging-Kamera ZV-1. Sie eignet sich also nicht nur für Fotos, sondern auch sehr gut für Videoaufnahmen. Ausgestattet ist sie mit einem 1-Zoll-Sensor mit 20 Megapixeln. In Tests bewährte sich die ZV-1 II auch bei schlechten Lichtverhältnissen mit einer natürlichen Farbwiedergabe und detailreichen Aufnahmen. Im Vergleich zum Vorgänger hat Sony einige praktische Verbesserungen durchgeführt. So befindet sich das Stativgewinde jetzt weiter aussen, sodass sich der Akku auch dann noch tauschen lässt, wenn die Kamera auf einem Stativ befestigt wurde.
Bild 10: Die Sony ZV-1 II hat ein ausklappbares Display und wird mit einem Windschutz ausgeliefert
PCtippInteressant ist das Objektiv. Es ist nicht nur lichtstark, sondern mit einer Brennweite von 18–50 mm ein Weitwinkel-Zoom. Das ist besonders praktisch bei Videoaufnahmen unter beengten Platzverhältnissen. Videos zeichnet sie mit 4K auf. Zum Lieferumfang gehört zudem ein Windschutz für das Mikrofon. Dazu kommen Gimmicks wie ein Bokeh-Schalter. Die ZV-1 II bekommen Sie bei Galaxus oder Brack für unter 600 Franken.
Auch die kompakte Canon PowerShot V1 ist auf semiprofessionelle Videoaufnahmen ausgelegt, Bild 11. So bietet sie Sonderfunktionen wie eine Livestream-Funktion, eine Kontrollleuchte für Vlogs sowie ebenfalls einen Windschutz. Ausserdem lässt sich die Kamera als Webcam nutzen. Das Zoom-Objektiv hat eine Brennweite von 16–50 mm. Videos zeichnet sie in 4K auf. Die maximale Bildauflösung liegt bei 22 Megapixeln. Preislich ist sie mit knapp über 700 Franken etwas teurer als das Konkurrenzmodell ZV-1 II.
Bild 11: Kompakte Kameras wie die Canon PowerShot V1 lassen sich leicht verstauen
PCtippFür Hobbyfotografen
Vergangenes Jahr hat Ricoh mit der GR IV den Nachfolger der beliebten GR III auf den Markt gebracht. Sie ist ebenfalls in einem sehr kompakten Magnesiumgehäuse untergebracht, jetzt aber mit einem APS-C-Sensor mit 26 Megapixeln sowie einem verbesserten 28-mm-Objektiv. Dazu kommen ein 53 GB grosser interner Speicher, ein microSD-Slot für Speicherkarten sowie ein besserer Akku.
Wegen ihrer geringen Grösse wirkt die GR IV zwar wie eine kleine Alltagskamera, liefert aber deutlich bessere Bilder, Bild 12. Das liegt auch am blitzschnellen Autofokus sowie ihrem ausgezeichneten 5-Achsen-Bildstabilisator. Er erlaubt längere Belichtungszeiten um bis zu sechs Blendenstufen. Damit sollen auch Belichtungszeiten von bis zu zwei Sekunden «aus der Hand» möglich sein, ohne dass die Aufnahme verwackelt. Der Preis der GR IV liegt bei Brack bei 1150 Franken.
Für Hobbyfotografen empfehlen sich alternativ Kameras mit Wechselobjektiv wie zum Beispiel die spiegellose Nikon Z50 II, die es etwa im Kit mit einem 16–50-mm- und einem 50-250-mm-Objektiv bei Brack für 1150 Franken gibt. Sie kommt mit einem DX-Bildsensor, was APS-C entspricht.
Bild 12: Die Ricoh GR IV wirkt auf den ersten Blick unauffällig, liefert aber hervorragende Bilder
PCtippFür Enthusiasten
Eine echte Edelkompakte ist die X100VI von Fujifilm. Sie ist bereits das sechste Modell der 2010 auf den Markt gekommenen X100-Serie des Herstellers. Fans lieben das Retro-Gehäuse, das sich an Reportagekameras aus den 1960er- und 1970er-Jahren orientiert, Bild 13. Bewährte High-End-Technik wie zum Beispiel den X-Trans-CMOS-5-HR-Sensor, der mit rund 40 Megapixeln auflöst, sowie den X-Prozessor hat die X100VI von der «grossen Schwester» X-T5 übernommen.
Bild 13: Die Fujifilm X100VI erinnert mit ihrem klassischen Design an Reportagekameras aus dem vergangenen Jahrhundert
PCtippAchtung: Wie auch die Vorgänger hat sie keinen Zoom, sondern eine Festbrennweite, die einem 35-mm-Objektiv entspricht. Damit eignet sie sich besonders gut für Street-, Reise- und Reportagefotografie. Optional sind Tele- und Weitwinkel-Konverter erhältlich. Ebenso wie die Ricoh GR IV verwendet die X100VI einen IBIS-Bildstabilisator, der bis zu sechs Blendenstufen längere Verschlusszeiten ermöglicht. Preislich liegt sie mit ca. 1600 Franken (etwa bei Galaxus) am oberen Ende dessen, was viele engagierte Hobbyfotografen für eine Kompaktkamera zu zahlen bereit sind.
Unter den spiegellosen Kameras mit Wechselobjektiv können wir für Enthusiasten unter anderem die Panasonic Lumix S1 II empfehlen, die bei Brack und Digitec ca. 2600 Franken kostet. Sie eignet sich sowohl für die hochwertige Fotografie als auch für anspruchsvolle Videoaufnahmen. Sie hat einen 24,1-Megapixel-Vollformat-CMOS-Sensor und bietet ein Bildstabilisatorsystem im Gehäuse.
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