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Lesedauer 4 Min.

Im Test: Tolino Vision Color

E-Reader haben meist ein Schwarz-Weiss-Display. Der neue Tolino Vision Color setzt auf Farbe und einen optionalen Stift für Notizen. Ob sich das in der Praxis bewährt, lesen Sie in unserem Test.
© (Quelle: Tolino)

Ich nutze schon seit Jahren täglich einen E-Reader. Ich halte das handliche Format und die lange Akkulaufzeit dank E-Ink-Display für praktisch. Zudem spare ich mir zig Bücherregale, da ich viel und gerne lese und keinen Platz für alle Bücher in meiner Wohnung hätte, die auf meinen E-Reader gespeichert sind. Ich besitze ein Modell von Amazon mit Schwarz-Weiss-Display. Das hat mich bislang nie gestört, denn farbige Comics lese ich auf einem grösseren Samsung-Tablet; mein E-Reader wäre mir dafür zu klein. Deshalb war ich sehr gespannt auf den Tolino Vision Color.  Der Anbieter schwärmt: «Egal, ob Buchcover, illustriertes Kinderbuch, Rezeptideen oder atemberaubende Urlaubsziele: Mit dem neuen Farbdisplay und bis zu 4096 darstellbaren Farben erweckt der Tolino Vision Color Ihre Lieblingsinhalte erstmals in Farbe auf völlig neue Art zum Leben.» Also haben wir hier die Eier legende Wollmilchsau?

Alles in Farbe, alles besser? Der neue Tolino Vision Color

© Quelle: Tolino

Das ist in der Box

Der Tolino Vision Color kommt mit einer Kurzanleitung und USB-C-Ladekabel. Mehr findet sich nicht in der Box. Ein Stromadapter, der neue Tolino Stylus oder eine Hülle müssen separat erworben werden. Der Stylus ist mit 69 Franken alles andere als günstig. Der E-Reader alleine kostet 199 Franken, was ein fairer Preis ist.

Den Stylus gibts optional für 69 Franken

© Quelle: Tolino

Installation und Bedienung

Die Installation hat Tolino gut durchdacht: Dank Schnellanleitung ist sie in wenigen Minuten erledigt. Nach dem Einschalten werden Sprache und Wi-Fi-Verbindung bestimmt, allfällige Updates heruntergeladen und ein Konto beim vorinstallierten Buchshop angelegt.

Was mir besonders gefällt: Der Touchscreen reagiert schnell und präzise. Weniger gut finde ich die Position des Einschaltknopfes auf der Hinterseite. Der war für mich nur schwer zu erreichen. Zudem musste ich den E-Reader mit zwei Händen halten, für einhändiges Lesen ist er zu breit.

Ansonsten gibt es bezüglich Benutzerfreundlichkeit nicht zu meckern. Die Menüs und Oberfläche sind gut und klar strukturiert, alle wichtigen Funktionen für einen E-Reader sind vorhanden – vom Einstellen der Schriftgrösse und Schriftart über das Anlegen von Sammlungen bis zum einfachen Onlineeinkauf neuer Bücher.

Der Tolino Vision Color überzeugt mit einfacher Einrichtung und Benutzerführung

© Quelle: Tolino

Ich durfte zudem den neuen Stift testen: Auch der funktionierte präzise und anstandslos. Mit ihm lassen sich Notizen in Büchern anlegen (es werden allerdings nicht alle Buchformate unterstützt) und Passagen markieren. Ob man für diese Funktionalität allerdings fast 70 Franken zahlen will, hängt davon ab, ob man tatsächlich viele Buchnotizen anlegt. Praktisch: Der Stift lässt sich dank Magnet an der Seite des E-Readers befestigen.

Mit dem Tolino Stylus lassen sich Notizen in Büchern anlegen

© Quelle: Tolino

Ein weiterer Vorteil des Tolino ist seine Offenheit: Im Gegensatz zu Amazons Kindle können auch zahlreiche Buch-/Dateiformate (EPUB, MOBI, PDF, TXT, CBR, CBZ, JPEG und PNG) anderer Anbieter auf das Gerät übertragen werden. Das geht ganz einfach via PC. Auch Hörspiele kann der Tolino Vision Color via Bluetooth an einen Kopfhörer wiedergeben.

Übertragen Sie Bücher und Comics via PC auf den Tolino

© Quelle: Tolino

Alles schön bunt

Kommen wir zum Alleinstellungsmerkmal des Tolino Vision Color: dem Farbdisplay. Auf den ersten Blick hat ein farbiges E-Reader-Display tatsächlich etwas für sich. Doch der Mehrwert hielt sich für mich in Grenzen. Erstens sind die Farben eher matt und durch die Begrenzung auf 4096 Farben auch nicht so nuanciert wie bei einem normalen Farbdisplay. Es dürfen also keine knalligen Hochglanzbilder wie auf dem Smartphone erwartet werden. Zweitens: Ich brauche ein Farbdisplay vor allem zum Lesen von Comics. Und hierfür ist mir der Tolino Color Vision viel zu klein. Ich muss konstant in die einzelnen Panels zoomen. Das macht keinen Spass. Auch für Kochbücher, Karten oder Sachbücher halte ich das Display für zu klein. Damit bleibt für mich der Nutzen des Farbdisplays auf farbige Buchcovers und bunte Notizen beschränkt.

Der Nutzen des Farbdisplays hält sich für mich in Grenzen

© Quelle: Tolino

Fazit: geringer Nutzen

Ein E-Reader mit Farbdisplay hört sich nach einer genialen Idee an. Doch bei dem kompakten 7-Zoll-Format kann ich weder Comics noch Sachbücher auf dem Tolino Vision Color angenehm lesen. Auch der neue Stift ist für mich mehr ein Gimmick, da ich selten Notizen in Büchern mache. Das heisst nicht, dass der Tolino Vision Color ein schlechtes Gerät wäre. Als E-Reader für «normale» Bücher ist er ausgezeichnet, obwohl ich ein schmaleres Modell zum einhändigen Lesen bevorzuge.

Testergebnis

Pros + Cons

  • Schneller Touchscreen
  • sehr benutzerfreundlich
  • gutes Display
  • Stift und Farbdisplay bringen wenig Nutzen
  • nicht zum einhändigen Lesen geeignet

Details:  7-Zoll-E-Ink, Touchscreen, 1264 × 1680 Pixel, 300 ppi (SW-Inhalte), 150 ppi (Farbinhalte), 200 Gramm, 144,6 × 161 × 8,3 Millimeter, Integrierte Beleuchtung mit SmartLight, wasserabweisendes IPX8 Coating (schützt bis zu 60 Minuten in 2 Meter tiefem Süsswasser), 2050-mAh-Akku (hält mehrere Wochen), 1 GB RAM, 32 GB Nutzspeicher, Formate: EPUB, MOBI, PDF, TXT, CBR, CBZ, JPEG und PNG, Wi-Fi 6, Bluetooth 5.0, USB-C

Preis:  199.–; Stylus: 69.–

Infos: 
Gesehen bei: orellfüssli.ch

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