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Lesedauer 6 Min.

Telemedizingerät TytoHome im Test

Wenn Laien zuhause selber Fieber messen, Herz- und Lungentöne aufzeichnen, den Rachen filmen und dann diese Daten einer Ärztin übermitteln – kann das in guter Qualität geschehen? Das Testresultat lesen Sie hier beim PCtipp.

Das TytoHome-Gerät nach der Kopplung mit der Smartphone-App TytoCare

© (Quelle: cma/PCtipp.ch)

Nachdem die Swica 2020 mit dem Telemedizinanbieter santé24 ein Pilotprojekt mit dem Telemedizingerät TytoHome durchgeführt hat, hat der Krankenversicherer das Gerät im Januar 2021 offiziell lanciert (PCtipp berichtete). PCtipp konnte das Telemedizingerät ausprobieren.

Mit TytoHome können Personen mit gesundheitlichen Beschwerden zuhause selber Tonaufnahmen des Herzens und der Lunge sowie digitale Bilder und Videos des Trommelfells oder des Rachens erstellen. Des Weiteren sind Fiebermessen und Hautmessungen möglich. Das Gerät ist sowohl für Erwachsene als auch Kinder geeignet.

Das Telemedizingerät TytoHome mit den Mundspachtel-, Stethoskop- und Otoskop-Adaptern

© Quelle: Swica

Die mit TytoHome ermittelten Daten werden anschliessend verschlüsselt an den Schweizer Telemedizinanbieter santé24 übermittelt. Die Daten ermöglichen Ärztinnen und Ärzten von santé24 eine Diagnosestellung, Behandlung und Nachkontrolle.

Hinweis: Einblick in die Untersuchungsdaten haben lediglich der Patient und das medizinische Fachpersonal von santé24. Alle medizinischen Angaben unterstehen der ärztlichen Schweigepflicht.

Verfügbarkeit und Preis

Der Versicherer Swica hat sich in der Schweiz die Exklusivrechte für das kleine Gerät des israelischen Medtech-Unternehmens TytoCare gesichert. Ab sofort können alle Swica-Versicherten das Gerät kaufen und nutzen. Die Versicherten müssen je nach Versicherungsdeckung einmalig zwischen 99.– und 249.– Franken bezahlen. Die medizinische Interpretation der aufgezeichneten Untersuchungen durch santé24 ist für Swica-Versicherte kostenlos.

Wenn die Einmal-Aufstecker, sagen wir für eine Familie, aufgebraucht sind: Laut Swica sind die Verbrauchsmaterialien bei Nachbestellungen grundsätzlich kostenlos. Diese erhält man via technische Helpline (Support). Sowohl Gerät als auch Gebrauchsmaterial können mit handelsüblichen Feucht- bzw. Alkoholtüchern (70% Isopropylalkohol) gereinigt werden.

Hinweis: Zum jetzigen Zeitpunkt ist noch offen, ob TytoHome zu einem späteren Zeitpunkt auch von Nicht-Swica-Kunden gekauft werden kann, heisst es auf Anfrage von PCtipp. Falls dies der Fall sein wird, dann wohl erst ab dem kommenden Jahr.

Lieferumfang

Das Telemedizingerät kommt in einem Etui, das den TytoHome sowie den Mundspachtel-, Stethoskop- sowie Otoskop-Adapter enthält. Separat sind Einweg-Aufstecker aus Plastik wie Mundspachtel oder für auf das Ohr-Spekulum – jeweils in Erwachsenen- und in Kindergrösse – dabei.

Auch ein Ladegerät und ein Quick-Start-Guide für das TytoHome werden mitgeliefert. Ausserdem sind Desinfektionstücher sowie eine Handyhalterung in der Schachtel, letzteres, damit man während der Untersuchung die Hände frei hat.

Anschlüsse

Das Tyto-Gerät verfügt oben über eine On-/Off-Taste und vorne über einen LCD-Touch-Screen, sowie eine Ladeanzeige. Auf der Rückseite sehen Sie einen blauen Punkt, dies hilft beim Adapter-Anschluss. Des Weiteren findet sich hier eine Untersuchungskamera sowie ganz unten das Infrarot-Thermometer.

cma/PCtipp.ch

© Quelle: Anschlüsse für Kopfhörer, Micro-USB-Kabel und Netzteil

Auf der Unterseite des Geräts, wenn man den Gummischutz wegklappt, finden sich die Anschlüsse fürs Netzkabel, ein USB-Anschluss sowie eine Kopfhörerbuchse.

Die App verbindet sich mit dem TytoHome via WiFi-Netz (oder Hotspot). Eine Bluetooth-Funktion besteht grundsätzlich, sie wird allerdings für die Verbindung des Geräts mit dem Smartphone nicht verwendet. Dies könnte künftig noch ändern, das Gerät wird konstant weiterentwickelt.

Inbetriebnahme und der Ernstfall

Inbetriebnahme

Nach der Installation der Smartphone-App muss man sich registrieren. Mangels Swica-Versicherung der Redaktorin nutzte PCtipp einen Testaccount. Für die Registrierung müssen Sie Ihren Namen, Ihre E-Mail-Adresse, die Telefonnummer, den Geburtstag und das Geschlecht angeben. Nachdem man den AGBs zugestimmt hat, wird die App eingerichtet.

Bei der Anmeldung kann man übrigens die Zugangsdaten auch speichern, um sich biometrisch (Fingerabdruck) anzumelden. Dies ist aber nicht zwingend.

Anschliessend leitet die App einen durch den Koppel-Prozess mit dem Telemedizingerät TytoHome. Die Anleitung ist sehr benutzerfreundlich, dies benötigt circa 10 Minuten Zeit. In der Bildergalerie unten sehen Sie, wie Sie das Smartphone und das Telemedizingerät koppeln.

Tipp: Schauen Sie sich unbedingt die Lernvideos der Tyto Academy an, dann sind Sie mit dem Handling vertraut, falls sich dann jemand aus der Familie nicht gut fühlt.

Der Ernstfall

Nachdem Sie in der Theorie geübt haben, wie es funktioniert, tippen Sie – wenn Sie sich denn unwohl fühlen –, auf die Schaltfläche Start in der App (TytoCare für Android, iOS). Fügen Sie einen Patienten neu hinzu oder wählen Sie einen bestehenden aus. Tippen Sie auf dem TytoHome auf Start und folgen Sie den bebilderten Anweisungen.

Wie das ganze dann aussieht, sehen Sie auch oben in der Bildergalerie. Wenn Sie alles aufgezeichnet bzw. fotografiert haben, nehmen Sie via TytoHome bzw. App Kontakt mit dem Telemedizinanbieter santé24 auf. PCtipps Erfahrungen damit lesen Sie auf der nächsten Seite.

Hinweis: Ihre bisherigen Messungen finden Sie in der App künftig unter dem Tab Meine Unters.

Telefonieren mit dem Arzt

Da die Redaktorin keine Swica-Versicherte ist, wurde ein Microsoft-Teams-Call mit Fr. Dr. Silke Schmitt Oggier, Medizinische Leiterin santé24, vereinbart. Normalerweise gelangt man via App bzw. TytoHome zur Hotline und spricht erstmal mit einer Gesundheitsberaterin, das kann eine Pflegeexpertin, eine Pharmaassistentin oder ein Medizinischer Praxisassistent (MPA) mit langjähriger Erfahrung sein. Diese Person schaut sich die übermittelten Daten an und prüft, ob die aufgezeichneten Film- und Tonaufnahmen brauchbar sind. Nach der Anamnese sendet die MPA – wenn eine ärztliche Beurteilung bzw. Therapie sinnvoll erscheint – via TytoCare-System einem Arzt oder einer Ärztin einen Termin in die Agenda.

Diese Infos (TytoCare-System) sieht eine Ärztin bzw. ein Arzt während der Konsulation mit den Patienten

© Quelle: Screenshot/PCtipp.ch

Die Patientin oder der Patient erhält dann – in der Regel – innert 30 Minuten einen Rückruf durch einen Arzt, der die Untersuchungen interpretiert und zusammen mit der Anamnese in die Diagnosefindung mit einbezieht. Die Ärztin kann via System beispielsweise Rezepte erstellen (werden an Apotheke geschickt) oder Folgetermine vereinbaren.

Ein Arzt kann sich z.B. die Lungengeräuschaufnahmen mehrfach anhören. Oben rechts: Im Stile von Facebook-Daumen rauf bzw. runter kann die Ärzteschaft dem Entwickler rückmelden, ob z.B. eine als nicht so gut qualifizierte Aufnahme dennoch hilfereich war oder tatsächlich nicht

© Quelle: Screenshot/PCtipp.ch

Fr. Dr. Schmitt Oggier war nach eigenen Angaben erst skeptisch, ob die Aufnahme-Qualität des TytoHome genügen würde. Doch die Qualität habe sie mittlerweile überzeugt. Einen der Vorteile sieht die Ärztin z.B. darin, dass sie die Video- und Tonspuren zurückspulen und sich nochmal anschauen bzw. anhören kann. Das gibt es in einer Klinik nicht.

Hinweis: Frau Dr. Schmitt Oggier bestätigte dem PCtipp, dass die Daten, die an santé24 übermittelt werden, strengstens von Swica getrennt sind. Der Versicherer sieht nur, ob und wann eine Patientin santé24 kontaktiert hat.  Auf der anderen Seite sehen die Ärzte, dass die Person bei der Swica versichert ist (zwingend) sowie in welchem Modell sie versichert ist (z.B. Hausarztmodell), aber nicht, ob z.B. die Prämien bezahlt wurden.

Fazit

Ein sehr interessantes Telemedizingerät für die ganze Familie. Ich war nicht nur über die Vielseitigkeit des kleinen Geräts überrascht, sondern auch wie anwendungsfreundlich das Handling gestaltet ist und wie viele Daten in offenbar wirklich guter Qualität gesammelt werden und so von Ärzten ohne persönliche Konsultation interpretiert werden können. Gerade während der Corona-Pandemie ist so ein Gerät sicher nützlich, da man das Haus nicht verlassen muss. Ein grosser Wermutstropfen ist, dass TytoHome im Moment nur für Swica-Versicherte zugänglich ist.

Testergebnis

Pros + Cons

  • sehr gute Anwenderführung via App/Videos/Telemedizingerät
  • einmaliger Gerätekauf
  • anschliessende Konsultationen von santé24 sind gratis (nur für Swica-Versicherte!)
  • ortsunabhängig verwendbar
  • für die ganze Familie anwendbar
  • App
  • WLAN-fähig (bzw. Hotspot)
  • grundsätzlich Bluetooth-fähig
  • derzeit nur für Swica-Versicherte; Preis je nach Versicherungsmodell (Swica) eher hoch
  • gewisse Messungen wie bspw. Lungenton-Messung auf dem Rücken sind für Alleinwohnende nur schwierig bis unmöglich durchführbar
  • kein USB-C-Anschluss

Details:  Selber Tonaufnahmen des Herzens, der Lunge sowie digitale Bilder und Videos des Trommelfells, des Rachens und der Haut erstellbar. Auch Fiebermessen möglich; Konnektivität: WiFi (bzw. Hotspot), Anschlüsse: Micro-USB, Kopfhörerbuchse, Netzteil (mitgeliefert), drei Adapter plus Einmal-Aufsteck-Teile für Erwachsene und Kinder

Preis:  ab Fr. 99.-

Infos: 
https://www.swica.ch/de/private/gesundheit/medizinische-hilfe/telemedizin/tytohome
Einordnung der Note: 1 = unbrauchbar • 1,5 = sehr schlecht • 2 = schlecht • 2,5 = ungenügend • 3 = genügend • 3,5 = ordentlich • 4 = gut • 4,5 = sehr gut • 5 = ausgezeichnet

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