Schweinskram? Ich?! 03.12.2021, 07:15 Uhr

Na, wie läuft’s mit der Erpressung?

Einige Spammer verlangen unter verrückten Drohungen eine Summe in Bitcoins. Wenn Sie wissen möchten, wie erfolgreich die sind, werfen Sie einen Blick auf deren Konto.
Warnsignet für Bio-Gefähdung; im Hintergrund sehr unscharf eine leicht bekleidete Frau
Freizügige Damen im Internet; das will doch keiner sehen
(Quelle: Screenshot / PCtipp)
In lupenreinem Deutsch beginnt die E-Mail mit «Leider habe ich ein paar schlechte Nachrichten für Sie.» Dann folgen happige Vorwürfe: Ich hätte deftigen Schweinskram aus dem Internet konsumiert und nebenher den Lurch gewürgt. Schadsoftware habe dabei meinen Bildschirm aufgezeichnet und heimlich die Videokamera aktiviert. Diese Performance wird in meinem privaten und beruflichen Umfeld herumgezeigt, wenn ich nicht innerhalb der nächsten 48 Stunden 1800 Euro in Bitcoin zahle:
Screenshot mit der Erpresser-Mail
Zum geschädigten Rückenmark kommen jetzt auch noch Geldforderungen dazu
Quelle: PCtipp.ch
So weit, so lustig. Doch fällt irgendjemand auf diesen Nonsens rein? Das lässt sich sehr leicht prüfen. Denn Bitcoin-Transaktionen mögen anonym sein. Doch alle Konten und Transfers werden akribisch in der Blockchain verewigt – denn das ist es ja, was die Blockchain so interessant macht. Kopieren Sie die angegebene Bitcoin-Wallet, in diesem Fall:
1CW1kBHJsuS9zRj5qvpoAgEwDJQA3bUVPW
Rufen Sie die Website blockchain.com auf und geben Sie im Suchfeld ganz oben die Wallet ein, gefolgt von der Return-Taste.
Screenshot zeigt, wie die ID der Wallet in das Suchfeld bei blockchain.com eingegeben wird
Die Wallet wird in das Suchfeld bei blockchain.com eingegeben
Quelle: PCtipp.ch
Jetzt werden zwei zugehörige Konten angezeigt:
Screenshot zeigt das Konto der Wallet
Da sind die Konten ja!
Quelle: PCtipp.ch
Ein Klick auf einen Eintrag zeigt, dass die Erpresser-Karriere noch nicht so richtig in die Gänge kommt. Als diese Zeilen geschrieben wurden, waren jedenfalls noch keine Transaktionen getätigt worden. Aber vielleicht wird das noch.
Beim Konto herrscht Ebbe; den Anblick kennen viele von uns nur allzu gut
Quelle: PCtipp.ch
Nebenbei: Es hängt natürlich vom jeweiligen PC ab; aber zumindest bei Apple-Geräten ist es nicht möglich, heimliche Aufnahmen mit der integrierten Kamera zu schiessen. Denn neben diversen Sicherheitsmassnahmen bekommt die Kamera durch eine Hardware-Schaltung erst dann Strom, wenn zuerst die grüne LED gespeist wird – und die ist schwer zu übersehen.
Falls Sie die ganze Räuberpistole lesen möchten, finden Sie den Text auf der nächsten Seite. Der Absender hat sich wirklich Mühe mit mir gegeben – und das ist fast schon schmeichelhaft.


Kommentare

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miramunt
03.12.2021
Ja, solche Mails trudeln hin und wieder 'mal ein; ich amüsiere mich jedesmal, denn meine integierte Webcam ist seit der Inbetriebnahme des Rechners abgeklebt. Und sollte ich eine Webcam benötigen, dann wird für diesen Zeitraum eine externe Cam eingestöpselt und zwar genau so lange, wie diese auch benötigt wird. Diese Vorgehen zeigt mir gleichzeitig auch an, dass zumindest durch diesen Möchtegern-Hacker garantiert (!) Nichts auf meinem Rechner eingeschleust worden sein kann...

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Jürgen N.
04.12.2021
Dito. Kommt hinzu dass das Ding qualitativ nicht mal für Passbilder taugt.