Netzwerkgeräte
Der grosse Wi-Fi-7-Guide
Disclaimer: Dieser Artikel erschien in der Printausgabe 3/24 des PCtipp. Die Preise können sich mittlerweile geändert haben.
Der Funkstandard Wi-Fi 7 (in der technischen Sprache auch IEEE 802.11be genannt) unterliegt seit dem Januar 2024 einer offiziellen Norm. Der neue Highspeed-Standard soll schon bald den derzeit noch weitverbreiteten Wi-Fi-6-Standard ablösen. Die Chancen dazu stehen nicht einmal schlecht: Denn selbst im Vergleich zum aktuellen Wi-Fi 6E, einer erweiterten und schnelleren Wi-Fi-6-Zwischenlösung, versprechen Hersteller mit der Wi-Fi-Version 7 eine vierfach höhere Datenrate.
Die getesteten Netzwerkgeräte
- Asus ROG Rapture GT-BE98
- AVM Fritz!Box 5690 Pro
- Netgear Nighthawk RS700S
- TP-Link Deco BE85
- Zyxel WBE660S
Und es geht noch mehr: Verzögerungen, die beim parallelen Datenaustausch mehrerer Geräte das Gesamttempo des Netzwerks drosseln, sollen sich gar um den Faktor 100 reduzieren. Mit Bandbreiten von bis zu 46 Gbit/s laufen datenintensive Anwendungen wie Augmented Reality (durch Computertechnologie erweiterte Realität), Cloud-Computing sowie das parallele Videostreaming endlich auch in der 4K-Auflösung ruckelfrei.
Der PCtipp hat die Probe aufs Exempel gemacht. In dieser Kaufberatung klären wir nicht nur die wichtigsten Fragen rund um den neuen Funkstandard Wi-Fi 7. Wir haben ausserdem fünf brandneue Wi-Fi-7-Geräte bekannter Hersteller bezüglich Bedienung, Ausstattung und Tempo verglichen. Unsere Favoriten für Anwendungszwecke wie «Gaming», «Multimedia» und «Mesh-Netzwerk» finden Sie in den Boxen auf Teil 3, 4 und Teil 5 ausführlich beschrieben. Alle Vergleichsresultate sowie Noten zu den geprüften Wi-Fi-7-Geräten gibts in der Tabelle, letzten Seite.
Welche technischen Raffinessen hält Wi-Fi 7 bereit?
In der Theorie ist Wi-Fi 7 markant schneller als der Vorgänger. Und auch in der Praxis dürfte es einen ordentlichen, aber wohl nicht den versprochenen riesigen Schub geben. Die Gründe sind vielschichtig: Zum einen werden von heute auf morgen sicher nicht alle vorhandenen Wi-Fi-Geräte in einem Haushalt gegen Wi-Fi-7-Modelle ausgetauscht. Zum anderen sind für die meisten Anwender derartig viele Datenströme, wie sie Wi-Fi-7 zur Verfügung stellt, schlicht nicht nötig.Warum Wi-Fi 7 im Endeffekt mehr Tempo bietet, fusst teils auf neuen, teils auch auf optimierten Weiterentwicklungen. So bieten breitere Datenkanäle mehr Leistung. Denn anders als bei Wi-Fi 6E sind im 6-GHz-Frequenzband bei Wi-Fi 7 neu bis zu 320 MHz breite Kanäle möglich. Das Auskosten dieser bis zu doppelt so weiten Datenstrassen ist allerdings an einige Bedingungen geknüpft. Um auf diesen Datendurchsatz überhaupt zu kommen, muss ein neuer Wi-Fi-7-Router mit 16 (internen, externen oder eine Mischung aus beidem) Antennen und einer effizienten Modulation ausgestattet sein.
Fritzbox 5690Pro Front
Quelle: AVM
Fritzbox 5690Pro Rückseite
Quelle: AVMWie man sich das bildlich vorstellen kann? Breite Kanäle würden in diesem Fall einer mehrspurigen Autobahn gleichkommen, eine effiziente Modulation wären bildlich gesehen voll besetzte Busse, die allerdings statt Personen eben Daten von A nach B transportieren. Unterm Strich: Sind diese Gegebenheiten erfüllt, winkt eine bis zu fünfmal schnellere Geschwindigkeit als es ein Wi-Fi-6-Router überhaupt schaffen kann. In handfesten Zahlen ausgedrückt könnte ein Wi-Fi-7-Router bis zu 5,75 Gigabytes pro Sekunde übertragen.
Unsere Meinung: In der Praxis werden die meisten Wi-Fi-7-Heim-Router weder 16 Antennen haben noch die neue, effiziente Modulation nutzen. Damit bleiben vom Idealszenario «nur» rund Zweidrittel bis die Hälfte vom maximal möglichen Tempo übrig. Und dann auch nur, wenn Sender (also Wi-Fi-7-Router) und Empfänger (zum Beispiel der Wi-Fi-7-Chip im Notebook) direkt nebeneinander platziert sind, sprich ein direkter «Sichtkontakt» gegeben ist und keinerlei Hindernisse im Weg sind. Mit der Praxis hat dies wenig zu tun.
Da die meisten Empfangsgeräte (Smartphones, Notebooks etc.) oft nur eine oder zwei Antennen haben und meist (aus Kostengründen) nicht alle Funktionen des aktuellen Wi-Fi-Standards unterstützen, resultieren in der Praxis niedrigere Datenübertragungsraten. Weitere sprichwörtliche Barrieren sind die (variable) Entfernung zum Router und Hindernisse wie Rigipswände, Wasserrohre, Betonwände sowie Metalltüren, an denen das Nutzsignal reflektiert oder zumindest gedämpft wird.
Wie schnell Wi-Fi 7 in der Praxis bei Ihnen wirklich sein wird, hängt also in grossem Masse auch von den vorherrschenden Gegebenheiten in der Wohnung bzw. im Haus ab.
Gibt es bereits praktische Vorteile von Wi-Fi 7?
Ja, die gibt es! Die praktischen Vorteile von Wi-Fi 7 liegen bei der Effizienz und dem Multitasking. Im Vergleich zu Wi-Fi 6 werden die drei Frequenzbänder endlich wieder in einem Standard zusammengeführt. Beim Wi-Fi-6-Vorgänger waren zwar die Frequenzbänder 2,4 GHz und 5 GHz dabei, das neue 6-GHz-Band allerdings nur den Wi-Fi-6E-Geräten vorbehalten. Das machte den Kauf kompliziert; man musste genau auf den richtiger 6er-Standard achten. Wi-Fi 7 vereint die drei Frequenzbänder in einem Standard, was den Kauf einfacher macht.Um allerdings vom neuen Tri-Band-Betrieb zu profitieren, muss der entsprechende Wi-Fi-7-Funker die sogenannte «Multi-Link-Operation»-Funktion (kurz: MLO) unterstützen. Nur in diesem Fall kann das Endgerät auch mehr als ein Frequenzband gleichzeitig benutzen. Hintergrund: Bisher mussten Endgeräte jeweils auf 2,4 GHz oder 5 GHz setzen und bei Bedarf wechseln. Mit MLO kann sich ein Gerät mit allen drei Frequenzbändern gleichzeitig verbinden, was in der Praxis Verbindungsunterbrüche beim Bandwechsel verhindert. Um bei der Analogie mit dem Verkehr zu bleiben: Die MLO würde einer Fahrkarte eines Passagiers entsprechen, mit der er verschiedene Zonen benutzen könnte, um schnellstmöglich an seinen Bestimmungsort zu reisen.
Sehr gut: Asus ROG Rapture GT-BE98
AsusKauftipp Gaming: Asus ROG Rapture GT-BE98
Ähnliches, allerdings noch ein Stück effizienter, bewirkt die Funktion namens «Multi-RU». Damit können sogar ungenutzte Teile eines Funkkanals von anderen Geräten im selben Netz verwendet werden. Bis zu Wi-Fi 6 galt ein Kanal jeweils als besetzt, wenn ein Gerät damit verbunden war – egal, wie stark dieses Gerät den Kanal ausgelastet hat. Diese brachliegenden Kapazitäten sind besonders für Smart-Home-Geräte mit kleinem Datenhunger interessant.
Unsere Meinung: MLO und Multi-RU sind zwei sehr spannende Funktionen von Wi-Fi-7. Denn letztlich kommt es neben dem Tempo auch darauf an, wie effizient die Daten ans Ziel gelangen. Je paralleler der Datentransport dabei stattfindet, desto erfolgreicher arbeitet das Netzwerk.
Gehören nun Wi-Fi 5 oder Wi-Fi 6 zum alten Eisen?
Nein! Wi-Fi 7 ist wie auch die bisherigen Wi-Fi-Standards abwärtskompatibel und kommt mit älteren Geräten problemlos klar. Allerdings profitiert man mit diesen älteren Geräten nicht von all den neuen Features.Tipp: Am besten mithilfe einer Checkliste abklären, ob der Einsatz von Wi-Fi 7 zwingend benötigt wird. Vielfach ist das Tempo-Upgrade für Einzelgeräte nur in bestimmten Fällen notwendig. Hier dürfte für viele Heimnutzer Wi-Fi 6 ausreichen. Die meisten WLAN-Geschwindigkeiten sind ohnehin schneller als der Internetanschluss des Hauses bzw. der Wohnung, wodurch die Geschwindigkeit nach draussen selbst bei einem «Turbo»-Wi-Fi-7-Router kaum ins Gewicht fällt. Und: Wie oft werden tatsächlich grosse Datenmengen in Ihrem Netzwerk hin- und hergeschoben?
Sehr gut: Netgear Nighthawk RS700S
NetgearKauftipp Multimedia: Netgear Nighthawk RS700S
Weitere wichtige Fragen vor dem Kauf, die Sie sich stellen sollten: Sind Sie mit der derzeitigen Leistung Ihres Netzwerks zufrieden? Kommt es bei Stosszeiten, zum Beispiel wenn viele Familienmitglieder parallel auf das Netzwerk zugreifen, zu Engpässen, Wartezeiten oder gar Abbrüchen?
Unsere Meinung: Den grössten Mehrwert erzielt man immer dann, wenn das gesamte Netzwerk komplett auf den neusten Wi-Fi-Standard umgestellt wird. In der Praxis ergibt aber auch ein Teilwechsel Sinn.
Zwei Beispiele: Tragen «ältere» Router in einem bestehenden Netzwerk die Hauptlast, so können diese Geräte gegen Wi-Fi-7-Modelle ausgetauscht werden, womit endlich auch die «schwächeren» Endgeräte vom schnelleren Datentransport (des gesamten Netzwerks) profitieren.
Zweiter Fall: Kommt im Netzwerk ein Netzwerkspeicher zum Einsatz, auf den rege zugegriffen wird? Auch dann könnte der Kauf von Wi-Fi-7-Geräten sinnvoll sein. Die hohe Multitasking-Leistung von Wi-Fi 7 ist gerade für die anspruchsvolle Heimnutzung sowie für Haushalte interessant, in denen viele Geräte gleichzeitig genutzt werden.
Welche Netzwerk-Gerätetypen gibt es mit dem neuen Wi-Fi 7?
Die kurze Antwort: Alle, die es auch unter den vorherigen Funkstandards Wi-Fi 4, 5, und 6 gegeben hat. Konkret sind das Router, Mesh-Sets, Repeater (Reichweitenverlängerer), WLAN-Sticks im USB-Format sowie Access-Points. Bitte schauen Sie sich dazu unsere Tabelle unten und die Favoriten in den entsprechenden Boxen in dieser Kaufberatung an. Hier finden Sie unsere persönlichen Empfehlungen zu Wi-Fi-7-Geräten.
Sehr gut: TP-Link Deco BE85 (2er-Set)
TP-LinkKauftipp Mesh-Set: TP-Link Deco BE85 (2er-Set)
Wie teurer sind Wi-Fi-7-Geräte?
Da es sich um einen neuen Funkstandard handelt, sind die Verkaufspreise (noch) relativ hoch. So liegen Router zwischen 350 Franken und 800 Franken. Mesh-Sets, die über eine grosse Reichweite und ein hohes Tempo verfügen, sprengen je nach Anzahl der Satelliten die 1000-Franken-Grenze.
Informieren können Sie sich direkt in unserer Tabelle unten, bei der wir die Preise in der letzten Spalte aufführen. Weitere Anlaufstelle sind die grossen Schweizer Händler wie Brack.ch, Digitec oder auch Interdiscount, die bereits erste Wi-Fi-7-Geräte in Ihren Onlineshops listen.
Testübersicht und Fazit
Fazit: für Anspruchsvolle
Die Gretchenfrage, ob man sich tatsächlich jetzt schon einen Wi-Fi-7-Gerätepark leisten sollte, lässt sich am besten wie folgt entscheiden: Sind Sie mit Ihrer aktuell installierten Funk-Flotte zufrieden? Wenn ja, sollten Sie nach der bewährten Devise «Never change a running system» handeln; also abwarten, bis sich die Verkaufspreise für die teils teuren Geräte auf ein etwas tieferes Niveau eingepegelt haben. Klar ist auch, dass es beim Start eines neuen Funkstandards respektive bei brandneuen Geräten erst einmal eine Reihe Updates gibt, welche die Kompatibilität zu anderer Hardware, das Netzwerktempo sowie die Reichweite optimieren.
Wer jedoch das hohe Tempo für das Grossraumbüro oder zum Gamen benötigt, darf sich ab sofort nach den Wi-Fi-7-Hochleistungsgeräten in unserem Guide umschauen. Die in der Tabelle oben aufgelisteten Wi-Fi-7-Geräte bieten alle viel Tempo und eine enorm hohe Reichweite.
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