Sicheres Zuhause
Hardware für ein sicheres Zuhause
Disclaimer: Der Artikel erschien zuerst in der Print-Ausgabe des PCtipp. Preise können sich geändert haben.
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Gegenüber herkömmlichen Sicherheitssystemen bieten smarte Varianten Vorteile: Sie ermöglichen es, die Geräte bis ins kleinste Detail zu steuern und mit individuellen Aktionen auszulösen. Beispiele: Das Türschloss öffnet sich automatisch, wenn Sie sich mit dem Handy nähern oder ein smartes Lichtsystem simuliert in unterschiedlichen Räumen und zu unterschiedlichen Zeiten eine Anwesenheit, wenn Sie in den Ferien sind.
Der PCtipp zeigt in dieser Kaufberatung verschiedene Smarthome-Lösungen für ein sicheres Zuhause. Für jede Geräteklasse gibt es einen Steckbrief, der über wichtige Hersteller, Produktmerkmale und Preise informiert. Ausserdem stellen wir auf den folgenden Seiten konkrete Geräte und Software genauer vor, die wir besonders nützlich finden.
Die einzelnen Kategorien
- Überwachungskameras
- Bewegungsmelder
- Smarte Türschlösser
- Rauch- und Wassersensoren
- Video-Türsprechanlagen
- Anwesenheitssimulation
Verwalten und steuern
Die Verwaltung erfolgt im Normalfall über dedizierte Smartphone-Apps der jeweiligen Hersteller. Die Kompatibilität und Integration von Geräten unterschiedlicher Marken war lange eine Herausforderung, wird aber durch herstellerübergreifende Standards wie Matter zunehmend verbessert. Ferner gibt es grössere Ökosysteme: Apple Home ermöglicht eine hohe Sicherheit durch verschlüsselte lokale Kommunikation und Verwaltung via App. Google Home und Samsungs SmarterThing-App dienen ebenfalls als Plattformen für die Verwaltung von smarten Geräten verschiedener Hersteller.Ausser dem Smartphone oder Tablet ist aber noch ein weiteres Gerät unerlässlich, das den Datenaustausch der Smarthome-Geräte untereinander ermöglicht; gemeint ist der Router. Er erledigt gleich mehrere Aufgaben im Heimnetzwerk und darüber hinaus. Zum einen stellt er das Netzwerk – kabelgebunden oder per WLAN-Funk – für sämtliche smarten Geräte bereit. Zusätzlich laufen beim Netzwerkknoten die Schalt-, Steuer- und Verwaltungsaufgaben zusammen, zumindest dann, wenn der Router entsprechende Protokolle wie ZigBee oder besser noch Matter unterstützt. Eine empfehlenswerte Netzwerkzentrale, die das alles beherrscht, ist die Fritz!Box 5690 Pro, die wir im Teil 3 näher vorstellen.
KI-gestützt noch sicherer
Einen zusätzlichen Sicherheitsgewinn verspricht der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI). Moderne Kameras und Systeme nutzen KI schon jetzt zur Objekterkennung. Dadurch können sie zwischen harmloser Bewegung (etwa einer Katze) und einer Bedrohung (unbekannte Person) unterscheiden und Fehlalarme drastisch reduzieren. KI-gestützte Systeme lernen zudem die normalen Verhaltensmuster der Bewohner (Anwesenheitsmuster) und können Abweichungen, die auf einen Einbruch hindeuten, zuverlässiger erkennen.
Empfehlung: Sicherheits-Software
Die Geräteklassen
Im Folgenden stellen wir die wichtigen Geräteklassen für ein sicheres Zuhause vor. Dabei erhalten Sie auch praktische Kauftipps.Überwachungskameras
Moderne Überwachungskameras sind das Herzstück eines jeden Smarthome-Sicherheitskonzepts. Die Inbetriebnahme ist einfach: Man schliesst die Kamera an den Strom an, verbindet sie über die Hersteller-App mit dem heimischen WLAN und führt meist nur wenige Schritte zur Konfiguration durch.
Viele aktuelle Modelle setzen auf Akkubetrieb oder Fotovoltaik-Module und verzichten auf Kabel, was die Installation deutlich erleichtert. Im Innenbereich sollten Kameras so platziert werden, dass sie kritische Bereiche wie Wohnzimmer oder Flure mit Zugangstüren optimal erfassen; eine schräge Ausrichtung erhöht dabei oft das Sichtfeld.
Bei Aussenmodellen ist die Einhaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen zwingend erforderlich: Die Kamera darf ausschliesslich auf den eigenen Grund und Boden ausgerichtet sein. Eine Überwachung des öffentlichen Raumes, von Nachbargrundstücken oder gar Gehwegen ist unzulässig und kann rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.
Wichtigstes Qualitätsmerkmal ist und bleibt die Videoauflösung (mindestens 2K oder 4K), um im Ernstfall klare Details zu erkennen. Achten Sie zudem auf eine präzise (KI-)Objekterkennung, welche zwischen Menschen, Tieren und Fahrzeugen unterscheiden kann, um Fehlalarme zu vermeiden. Auch eine zuverlässige Nachtsichtfunktion inklusive Scheinwerfer für klare Bilder bei völliger Dunkelheit sollte Bestandteil sein.
Eine Zwei-Wege-Audiofunktion (Lautsprecher und Mikrofon) stellt die Kommunikation mit Besuchern sicher oder ermöglicht bei Bedarf die sofortige Abschreckung von Eindringlingen via Alarm.
Achten Sie zudem auf eine möglichst flexible Speichermöglichkeit – etwa die Option, lokal via SD-Karte oder online in der Cloud zu speichern. Letzteres ist meist nur in einer Grundvariante kostenfrei und zieht in der Regel Folgekosten nach sich.
Bedenken Sie ebenfalls: Gerade bei Aussenkameras sind eine robuste, wetterfeste Bauweise (mindestens IP65) sowie ein breiter Blickwinkel (mindestens 130 Grad) für eine hohe Abdeckung wichtig.
- Hersteller: Arlo, Netatmo, Panasonic, Reolink, TP-Link, Yale
- Unbedingt beachten: Video- und Sprachqualität, IP-Zertifizierung, Autofokus, Nachtsicht, Speichermöglichkeiten, Folgekosten (Cloud-Speicher), Akkulaufzeit, im Mehrfach-Bundle meist günstiger
- Preis: ca. 50 bis 500 Franken
Empfehlung: Überwachungskameras
Bewegungsmelder
Sowohl Bewegungsmelder als auch Tür-/Fensterkontakte sind so etwas wie Frühwarnsysteme in der Smarthome-Sicherheit. Ihre wichtigste Gemeinsamkeit ist, dass sie beide bei der Erkennung einer unautorisierten Veränderung einen Alarm auslösen. Das kann eine Bewegung im Raum oder das Öffnen eines Zugangs sein. Der Alarm kann eine Benachrichtigung (per SMS oder E-Mail) und/oder eine Sirene sein. Die Produkte sind meist batteriebetrieben, kabellos und werden über dieselbe Hersteller-App eingebunden.
Die Inbetriebnahme des Bewegungsmelders läuft via Funktechnologie nach einem einfachen Schema ab: Nach der Koppelung über die App wird der Bewegungsmelder idealerweise in einer Ecke des Raumes oder an einer Decke platziert. Die Ausrichtung ist wichtig, um den Erfassungsradius optimal auszunutzen, wobei die typische Montagehöhe etwa 2 bis 2,5 Meter hoch ist, um Fehlalarme durch Haustiere zu minimieren. Wichtige Eigenschaften sind der Erfassungswinkel, die Reichweite, die Haustierimmunität (das Ignorieren kleiner Tiere), die Anpassbarkeit der Sensitivität, die Vernetzung mit anderen Alarmkomponenten und die Batterielaufzeit. Gute Modelle verfügen über eine hohe Immunität gegen Fehlalarme und unterstützen Standards wie Matter oder ZigBee.
Empfehlung: Smarthome-Steuerung
Der Tür-/Fensterkontakt wird an den Rahmen und den beweglichen Teil des Fensters sowie der Tür geklebt oder geschraubt. Die Installation erfolgt ebenfalls via App. Gute Modelle gibt es in kleiner, unauffälliger Bauform. Sie kommen mit einer Erschütterungserkennung, um auch einen Alarm bei Hebelversuchen, also nicht nur beim Öffnen, auszulösen. Die Batterielebensdauer, die Kompatibilität zu Alarmsystemen und die schnelle Reaktionszeit sind ebenfalls matchentscheidend. Moderne Varianten erkennen den Zustand des Fensters (geöffnet, geschlossen, gekippt), was einen besonders präzisen Schutz ermöglicht.
- Hersteller: Bosch Security Systems, Fritz!, Philips (Hue), TP-Link, Yale
- Unbedingt beachten: Standards (Matter, ZigBee), Batterieverbrauch, Kompatibilität mit (vorhandenen) Systemen, unauffälliges Design, Funktionen zur Benachrichtigung (etwa per SMS), App-Qualität
- Preis: ca. 40 bis 80 Franken
Smarte Türschlösser
Smarte Türschlösser sind die clevere Art der Zutrittskontrolle, indem sie den physischen Schlüssel überflüssig machen. Die Inbetriebnahme ist bei den meisten Modellen simpel und erfolgt in der Regel per Nachrüstung auf der Innenseite der Tür. Hierbei ist entscheidend, dass der Zylinder auf der Aussenseite der Tür auch dann bedienbar ist, wenn innen ein Schlüssel steckt (sogenannte Not- und Gefahrenfunktion). Dies ist wichtig für die Notentriegelung von aussen. Der grösste Teil der Installation, also nach dem Hardware-Einbau, wird via Smartphone-App und Bluetooth-Verbindung erledigt.
Das smarte Schloss sollte mit gängigen Zylindertypen und zusätzlich zu Plattformen wie Apple Home oder Google Home kompatibel sein. Auch eine möglichst flexible Zutrittsverwaltung, um temporäre oder permanente digitale Schlüssel für Gäste oder Handwerker zu vergeben, sind Teil eines gut aufgestellten Modells. Nebst einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für die Kommunikation von Türschloss zu Handy ist auch der automatische Verriegelungsmechanismus (Auto-Lock) wichtig. Dieser verschliesst die Türe beim Verlassen selbstständig. Die Notstromversorgung oder eine möglichst lange Akkulaufzeit mit frühzeitiger Warnung sind vor dem Kauf ebenfalls zu prüfen. Gute, aktuelle Modelle kommen mit einer unauffälligen Optik, der einfachen Nachrüstbarkeit und der Möglichkeit zur Fernsteuerung. Damit kann die Türe auch ausserhalb des Hauses verwaltet respektive gesteuert und so im Endeffekt die Sicherheit (Fernverriegelung) weiter erhöht werden.
- Hersteller: Nuki, TP-Link, Yale
- Unbedingt beachten: Zylindertyp, robuster Schliess- und Öffnungsmechanismus, Kompatibilität mit (vorhandenen) Systemen, Notöffnung, flexible Zutrittsverwaltung, App-Qualität
- Preis: ca. 250 bis 1500 Franken
Empfehlung: Smartes Türschloss
Weitere Geräteklassen
Rauch- und Wassersensoren
Smarte Rauchmelder und Wassersensoren dienen zur Früherkennung von Gefahren im Haushalt. Ihre Inbetriebnahme erfolgt kabellos via App. Oft werden sie dazu mit einem Smarthome-Hub per Funk verbunden und sind so sehr schnell einsatzbereit. Beim Installationsort des Rauchmelders gilt die gesetzliche Pflicht, die Warnmelder in Fluchtwegen, Schlaf- und Kinderzimmern anzubringen, wobei die Montage immer mittig an der Decke erfolgen sollte, da Rauch nach oben steigt. Wassersensoren platziert man direkt am Boden an potenziellen Leckstellen wie unter der Spülmaschine, neben der Waschmaschine oder im Keller.
Wichtig beim Rauchmelder ist die Vernetzung. Alle Melder im Haus müssen gleichzeitig alarmieren. Die Fernbenachrichtigung per Smartphone, wenn Sie nicht zu Hause sind, muss genauso gewährleistet sein wie eine möglichst lange Batterielebensdauer (ideal sind 5 bis 10 Jahre). Eine Stummschaltungsfunktion bei Falschalarm und auch eine regelmässige Selbstüberwachung des Gerätezustands sind Merkmale von guten Produkten.
Beim Wassersensor sind die sofortige Leckerkennung, Schwimmfähigkeit damit das Gerät auch bei Überschwemmung weiter funktioniert), die Temperaturüberwachung (zur Frostwarnung) sowie die Alarmfunktion respektive Weiterleitung an eine Sirene entscheidende Faktoren.
Gute, aktuelle Modelle erkennt man bei beiden Gerätetypen an der zuverlässigen Funktechnologie (Matter oder ZigBee) und der Möglichkeit, Automationen auszulösen – etwa das Einschalten des Lichts beim Rauchalarm oder das Abschalten des Wasserventils bei einem Leck.
- Hersteller: Homematic IP, Google, Netatmo, Philips, Yale
- Unbedingt beachten: Montage(ort), Fernbenachrichtigung, Schwimmfähigkeit und Temperaturüberwachung (Wassersensor), Alarmfunktion, App-Qualität, Kompatibilität mit (vorhandenen Systemen), im Bundle günstiger
- Preis: ca. 40 bis 300 Franken
Video-Türsprechanlagen
Video-Türsprechanlagen oder auch smarte Türklingeln sind die moderne Form der Zutrittskontrolle und bieten ein hohes Mass an Sicherheit und Komfort. Ihre Inbetriebnahme ist bei kabellosen Modellen mit Akku einfach und erfordert lediglich die Montage an der Hauswand oder am Türrahmen. Kabelgebundene Varianten nutzen oft die Verdrahtung der alten Klingel (deren Stromleitung). Beim Installationsort ist es entscheidend, dass die Kamera den Eingangsbereich optimal und in der korrekten Höhe erfasst, um Gesichter klar identifizieren zu können. Wie bei allen Aussenkameras muss strikt darauf geachtet werden, dass die Kamera keinen öffentlichen Grund filmt, also die Aufnahme auf den eigenen Eingangsbereich beschränkt bleibt.
Nebst der hohen Videoqualität (mindestens Full HD, besser 2K) empfiehlt sich ein grosses Sichtfeld (Weitwinkel), um auch seitliche Bewegungen zu erfassen. Die sofortige Benachrichtigung per App bei Betätigung der Klingel oder bei Bewegung gehört genauso zum Standardrepertoire. Auch eine Zwei-Wege-Audiofunktion zur Kommunikation mit der Person vor der Tür, sogar wenn man nicht zu Hause ist, zeichnen gute Modelle aus. Gespeichert wird möglichst parallel, also lokal auf einem Speichermedium sowie verschlüsselt in der Cloud.
Gute Modelle erkennt man des Weiteren an der Wetterbeständigkeit (auf IP-Zertifizierung achten) und der Integration von KI zur Personenerkennung. Letztere verhindert, dass etwa vorbeifahrende Autos unnötig eine Benachrichtigung auslösen. Ausserdem ist das Feature ein wichtiger Baustein, um unerwünschte Besucher bereits vor dem Betreten des Hauses zu identifizieren.
- Hersteller: Arlo, Reolink, Ring, TP-Link, Yale
- Unbedingt beachten: Montage, Zutrittskontrolle, IP-Zertifizierung, Zuverlässigkeit, Video-/Audioqualität, flexible Benachrichtigung, Kompatibilität mit (vorhandenen) Systemen, App-Qualität
- Preis: ca. 100 bis 500 Franken
Empfehlung: Video-Türsprechanlage
Anwesenheitssimulation
Die Anwesenheitssimulation ist eine präventive Massnahme, die Einbrecher abschrecken soll, indem sie die Anwesenheit der Bewohner vortäuscht. Dafür werden smarte Lichtsteuerungen (und Rollläden) genutzt.
Zur Inbetriebnahme: Man beginnt meist mit smarten Steckdosen oder Leuchtmitteln, und bindet sie über eine App oder einen Hub ins Netzwerk ein. Die Steuerung der Geräte erfolgt danach über Timer-Funktionen oder die zentrale Smarthome-App. Beim Installationsort ist es wichtig, die Geräte in Räumen zu platzieren, die von aussen gut sichtbar sind, etwa das Wohnzimmer oder Schlafzimmer im Erdgeschoss. Eine gute Wirkung erzielt man auch, wenn das Licht zeitlich unregelmässig geschaltet wird. Wichtige Eigenschaften der Anwesenheitssimulation sind die Zufallsgenerierung der Schaltzeiten, die Integration von Rollläden/Jalousien (zusätzlich zur Beleuchtung), die Kopplung an Geofencing (Aktivierung beim Verlassen des Hauses) und die Helligkeitssteuerung, wobei Dimmen natürliches Verhalten simuliert. Auch die Einfachheit der Programmierung (via App) zeichnet ein gutes System aus.
Die smarte Lichtsteuerung wird zusätzlich auch als Alarmkomponente genutzt, etwa als Schockeffekt bei sofortiger, voller Helligkeit, farbiger Lichtwahl (etwa Rotschaltung bei Alarm) oder auch als Integration in die Alarmanlage, wobei zuvor der Bewegungsmelder ausgelöst wurde. Wichtig sind eine möglichst hohe Energieeffizienz der Leuchtmittel und eine Zuverlässigkeit der Funkverbindung. Gute, aktuelle Modelle zeichnen sich dadurch aus, dass sie mit anderen Sicherheitskomponenten interagieren.
- Hersteller: Fritz!, Nanoleaf, Philips
- Unbedingt beachten: flexible Effekte (zufälliges Schalten, Geofencing etc.), einfache Programmierung, Kompatibilität zu (vorhandenem) System, App-Qualität
- Preis: ca. 20 bis 400 Franken
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