Danke KI!
Warum Hardware-Preise jetzt und weiter explodieren
Egal ob SSD, Arbeitsspeicher, Grafikkarte oder CPU: Die Preise für klassische Hardware-Komponenten explodieren. Davon betroffen sind selbstverständlich auch Komplettgeräte wie PCs und Notebooks, aber auch alle anderen Endgeräte (!) mit einem Speichergedächtnis respektive moderner Recheneinheit. Der Grund dafür ist die riesige Nachfrage durch den weltweiten KI-Boom (KI = Künstliche Intelligenz). Weil Technologiekonzerne Unmengen an High-End-Speicher und skalierbarer Infrastruktur benötigen, schichten Hersteller ihre Kapazitäten um. Consumer-Sparten werden teils verkleinert oder ganz geschlossen (z.B. Crucial, gehörte zum Unternehmen Micron). Gleichzeitig kommt die Grafikprozessor-Produktion dem Bedarf nicht hinterher. Etablierte Marken wie Acer, Asus, Nothing haben Mühe, überhaupt noch bezahlbare Bauteile zu finden. Selbst Intel verdient nach einer harten Sanierungsphase (mit fast «Aufspaltung») wieder kräftig mit. Für Endanwender bedeutet das unterm Strich: Hardware wird auf absehbare Zeit spürbar teurer. PCtipp analysiert im Folgenden die Lage und gibt Tipps, wie sich Anwender positionieren können.
Nahezu alle Komponenten/Geräte mit Speicher und KI-Prozessoren sind von dem Preisanstieg betroffen
PCtippDie Auswirkungen für Anwender
Warum betrifft der KI-Boom in den Rechenzentren überhaupt normale PC-Komponenten respektive Endanwender?
Die Produktion von Speicherchips und Prozessoren teilt sich weltweit dieselben Fabriken und Rohstoffe. Und genau das ist die Krux: Wenn Hersteller wie Micron, Samsung oder SK Hynix ihre Linien auf hochprofitablen KI-Speicher (wie HBM oder sogenannte Enterprise-SSDs) umstellen, sinkt das Angebot für den klassischen Consumer-Markt. Ein geringeres Angebot bei gleichbleibender Nachfrage führt direkt zu höheren Preisen für Endanwender.
Welche Hardware-Kategorien sind aktuell am stärksten vom Preisanstieg betroffen?
Besonders spürbar ist die Teuerung bei Arbeitsspeicher (RAM) und SSD-Festplatten, da die Halbleiter-Fabriken massiv in Richtung Server-Infrastruktur umschichten. Auch Grafikkarten bleiben teuer, da die Chip-Entwickler/Designer (vor allem AMD, Nvidia, aber auch Apple, Qualcomm, Amazon, Alphabet, Microsoft, Meta = die berüchtigten «Hyperscaler») die Produktionskapazitäten (von TSMC, Intel, Samsung) als Produzenten für hochpreisige KI-Beschleuniger bevorzugt nutzen. In der Folge steigen auch die Preise für vorkonfigurierte Laptops und Desktop-PCs, wie eben auch Grafikkarten. Klar ist aber eben auch, dass die Teuerung alles «quer durch die Bank» betrifft, was in irgendeiner Art Speicherchips benötigt. Neben den klassischen Kategorien wie Desktop-, Gaming-PC und Notebooks (inklusive aller Unterbereiche wie Convertibles) sind folgende Geräteklassen/Segmente betroffen:
Smartphones & Tablets: Da moderne Geräte KI-Funktionen direkt auf dem Chip ausführen müssen, benötigen sie riesige Mengen an schnellem LPDDR5X-Arbeitsspeicher und NAND-Flash. Detailhändler/Shops wie Media Markt Schweiz, Digitec/Galaxus bis hin zur Swisscom prognostizieren für Mobilgeräte schon jetzt Preisaufschläge von 20 bis über 35 Prozent.
Einstiegs- und Budgetgeräte: Genauso betroffen sind auch günstigere Einstiegsgeräte, entsprechende Preis-Leistungs-Handys und Tablets triffts hier ebenso mit voller Wucht. PCtipp hat erfahren, das der Handy-Hersteller Nothing demnächst seine Smartphone-Preise «deutlich» nach oben anpassen muss, um die gestiegenen Komponentenpreise auszugleichen. Gerade bei den Mobilgeräten macht bereits der Speicher einen prozentual weit grösseren Anteil der Produktionskosten aus (15 bis 20 Prozent). Hier drohen laut Schweizer Händlern in den kommenden Monaten schrumpfende Sortimente. Sogar Lieferausfälle sind möglich.
Gaming-Handhelds & Konsolen: Auch (tragbare) Gaming-Computer (wie das Valve Steam Deck, Nintendo Switch 2, Asus Rog Ally, Lenovo Legion Go) und Spielekonsolen (Xbox, PS5) werden teurer, weil die verbauten RAM- und Flash-Speicher im Einkauf rasant teurer werden.
Elektroautos: E-Autos sind nichts anderes wie «rollende» Computer. Viele Hersteller (BYD, Tesla, Ford, Volkswagen) mussten bereits oder werden demnächst die Listenpreise für Modelle mit intelligenten LiDAR- und Infotainment-/Speicher-lastige-Systemen anheben, weil auch die Automobilbranche bei der Chip-Vergabe hinter den KI-Rechenzentren anstehen muss.
Die Preisexplosion bei SSD-Speicher beträgt satte 178 Prozent, bei Spielekonsolen immerhin noch 14 Prozent
PCtippHersteller in der Zwickmühle
Warum verdienen Hersteller von Endgeräten (z.B. PC-, Smartphone-Hersteller) nicht mehr Geld an diesem Boom?
Hersteller wie Asus (Gaming,-PCS, Notebooks, Router, Monitore), Samsung (TV, Speicher, Handy) oder Nothing (Handy, Kopfhörer) bauen die Computer, stellen aber die Kernkomponenten wie Grafikchips oder Speicher nicht selbst her. Sie stecken in der Klemme: Sie müssen die teuren Bauteile zu extrem hohen Preisen einkaufen, um überhaupt produktionsfähig zu bleiben. Da Endanwender jedoch nicht unbegrenzt viel zahlen wollen, können die Hersteller die gestiegenen Kosten nicht vollumfänglich weitergeben und kämpfen mit sinkenden Margen.
Wie lange wird diese Phase der Knappheit und der hohen Preise voraussichtlich anhalten?
Marktanalysen gehen davon aus, dass der immense Bedarf an dedizierter KI-Hardware mindestens bis in die Jahre 2027 oder 2028 kontinuierlich weiterwachsen wird. Solange die globalen Fertigungskapazitäten nicht massiv ausgebaut sind, bleibt das Angebot für Consumer-Hardware knapp. Eine rasche Entspannung der Preise ist daher in den kommenden Monaten nicht zu erwarten.
Brack etwa bietet unter «Geprüfte Retouren» vergünstigte Geräte an
PCtippSo profitieren Anwender
Lohnt es sich für Endanwender, den Kauf eines neuen PCs jetzt aufzuschieben?
Wenn das aktuelle Gerät noch einwandfrei funktioniert, ist Abwarten eine vernünftige Option. Wer jedoch zwingend neue Leistung benötigt – etwa für die Arbeit oder weil ein Defekt vorliegt –, sollte nicht auf sinkende Preise spekulieren. In diesem Fall ist es ratsam, gezielt nach Angeboten zu suchen oder den Fokus auf die Aufrüstung einzelner Komponenten zu legen.
Gibt es eine clevere Strategie, wie man beim Hardware-Kauf aktuell Geld sparen kann?
Ja! Die gezielte Modernisierung eines bestehenden PC-Systems ist oft die wirtschaftlichste Lösung. Konkret: Der Austausch einer älteren SSD oder die Erweiterung des Arbeitsspeichers kann die Lebensdauer eines PCs um zwei bis drei Jahre verlängern. Beim Neukauf lohnt sich zudem ein Blick auf Hardware der vorherigen Generation, die für alltägliche Aufgaben und die meisten Spiele immer noch mehr als ausreichend Leistung bietet.
Bieten Schweizer Occasionsmärkte und Plattformen wie Ricardo eine echte Alternative?
Absolut! Der Secondhand-Markt ist für Endanwender derzeit eine der besten Optionen, um der Preisexplosion zu entkommen. Manch ein Highend-Anwender wechselt trotz hoher Preise auf die neueste Generation und verkauft seine erst ein bis zwei Jahre alte Hardware. Plattformen wie Ricardo oder Tutti bieten hier ein grosses Sparpotenzial. Besonders bei Prozessoren und Arbeitsspeicher, die mechanisch kaum verschleissen, ist das Risiko überschaubar. Bei gebrauchten Grafikkarten und SSDs sollte man sich vorab nach dem Alter und der bisherigen Nutzung erkundigen.
Lohnt sich das Warten auf Rabattevents wie den Black Friday?
Grosse Rabattevents bieten auch in Hochpreisphasen Sparpotenzial, da Händler wie Digitec, Brack oder auch Fust über Sonderkontingente verfügen. Allerdings fallen die Nachlässe bei stark gefragten Einzelkomponenten meist geringer aus als bei Komplettsystemen (Notebooks/Fertig-PCs). Eine weitere Option sind zertifizierte «Refurbished»-Händler, die geprüfte Business-Rückläufer mit Garantie verkaufen. Auch der Blick ins nahe EU-Ausland kann sich dank der Schweizer Mehrwertsteuer-Differenz lohnen, sofern man die Versand- und Zollkosten einrechnet.
Daniel Bader, Stv. Chefredaktor PCtipp
PCtippMeinung: Goldrausch vs. Realität
Es ist ein absurdes Schauspiel: Als Konsument steht man im Elektronikmarkt und reibt sich die Augen, während die Preise für Hardware durch die Decke gehen. Der weltweite Goldrausch rund um die Künstliche Intelligenz frisst die Kapazitäten für normale Endanwender. Egal ob PC, Smartphone, Spielekonsole oder das E-Auto: Sobald irgendwo ein Speicherchip oder eine halbwegs aktuelle KI-Recheneinheit verbaut ist, schlägt das Preisbarometer in ungeahnte Höhen aus.
Die Ursache für dieses Dilemma liegt tief im System verborgen. Die «Big-Techs», namentlich Nvidia, AMD sind so eng mit Alphabet (Google), Amazon («AWS» = Cloud-Sparte) und Microsoft verzahnt, so dass diese letztgenannten Grosskonzerne quasi den Markt für ihre KI-Zentren leerkaufen. Und die grossen Fabriken von TSMC, Samsung und Intel kommen bei der Produktion schlicht nicht hinterher. Endanwender stehen am Ende der Schlange und zahlen sprichwörtlich die Zeche. Kurzum: Wer heute blind das neueste High-End-Modell kauft, zahlt einen saftigen «KI-Aufpreis», und das wahrscheinlich sogar, ohne im Alltag einen echten Gegenwert zu spüren.
Trotz dieser schlechten Voraussetzung finden sich brauchbare Alternativen: Denn Anwender müssen dieses Spiel der Industrie nicht mitspielen. Clever handelt, wer die KI-Hochpreisphase aussitzen kann: Kluges Aufrüsten des bestehenden PCs statt eines teuren Neukaufs. Den gezielten Blick auf bewährte Hardware der Vorgängergeneration oder der Griff zu geprüften Occasionen auf Plattformen wie Ricardo oder auch die genannten Detailhändler, die Rückläufer o.ä. anbieten, zu richten, sind deutlich günstigere Wege. Das schont das Budget und verlängert zudem die Lebensdauer seiner Geräte. Man muss das geballte KI-Brimborium schliesslich nicht zwangsläufig mit dem eigenen Portemonnaie finanzieren.
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