Tests
Test: Synology DiskStation DS414
Das Kürzel NAS steht für Network Attached Storage (volkstümlich auch «Server» gerufen). Diese Geräte speichern und verteilen im lokalen Netz die Daten aller Anwender – oder zumindest taten sie das früher. Heute platzen sie vor lauter Funktionen aus allen Nähten und werden auch von Privatpersonen begehrt. Denn Zuhause ist der Speicherhunger am grössten: Filme, Musik, Fotos und persönliche Daten wollen gesichert und geteilt werden. Wir leben in einer Zeit, in der uns die Grössenordnung «Gigabyte» nur noch ein müdes Lächeln abringt. Doch soviel sei verraten: die Synology Disk Station DS414 ist nicht gekommen, um zu kleckern.
Unauffälliger Muskelprotz: Synology DiskStation DS414
Quelle: PCtipp.ch
Die Hardware
Der schwarze Würfel misst 233 x 203 x 165 mm, die Kunststoff-Frontpartie ist auf Hochglanz poliert. Sie lässt sich mit einem kurzen Ruck entfernen und gibt den Zugang zu vier Festplatten-Schächten frei. Diese können wahlweise mit 2.5- oder 3.5-Zoll-Festplatten gefüllt werden. Werkzeug ist dabei überflüssig, die Rahmen werden einfach so tief eingeschoben, bis die Clips arretieren.
Kein Werkzeug nötig
Quelle: IDGAuf der Rückseite befinden sich zwei Gigabit-Ethernet-Anschlüsse mit Unterstützung für die «Link Aggregation». Bei diesem Verfahren lassen sich beide Ethernet-Ports gleichzeitig verwenden. Man erreicht also theoretisch die doppelte Geschwindigkeit. Im Heimnetz bringt diese Einrichtung jedoch nicht viel, weil der einzelne PC oder Mac ja nur eine Leitung verwenden kann. Um wirklich zu profitieren, müssten mehrere Rechner im Netz einen Datendurchsatz erzeugen, der die DS411 fordert. Kleine Unternehmen werden diese Eigenschaft jedoch dankend zur Kenntnis nehmen.
Doch selbst mit einem Ethernet-Kabel schöpft die DS414 aus dem Vollen. Laut Synology beträgt die Geschwindigkeit unter Windows etwas mehr 100 MB pro Sekunde – ein Wert, der bei unserem Test in einem privaten Netz problemlos erreicht wurde. Die Rekorde lagen bei 116 MB/Sek. für den Download und 111 MB/Sek. für den Upload. Gemessen wurde der Durchsatz auf einem iMac – und zwar ohne dass irgendwelche Ethernet-Einstellungen optimiert worden sind.
Da geht die Post ab: Über 100 MB/Sekunde beim Lesen und Schreiben – ohne Optimierungen!
Quelle: PCtipp.chDiese Werte beziehen sich allerdings auf eine einzelne Filmdatei mit mehreren Gigabytes. Bei vielen kleinen Dateien reduzierte sich der Durchsatz auf 35 MB bis 50 MB pro Sekunde. Aber wer interessiert sich schon dafür, wie viele Millisekunden eine Word-Datei für die Strecke von A nach B benötigt?
Insgesamt stehen drei USB-Anschlüsse zur Verfügung, wobei der vordere nur USB 2.0 unterstützt. Bestehende USB-3.0-Festplatten werden deshalb vorzugsweise auf der Rückseite angeschlossen, damit sie anschliessend direkt auf den NAS übertragen werden können. Dazu zeigt die Anwendung «File Station» das komplette Verzeichnis inklusive allen unsichtbaren Dateien. Erkannt werden auch Festplatten, die unter OS X formatiert wurden.
USB-Festplatten lassen sich direkt anschliessen und auf den NAS übertragen
Quelle: PCtipp.chIm Inneren der DS414 arbeiten zwei Lüfter, wobei immer nur einer aktiv ist. Der zweite ist als Ersatz gedacht (Redundanz) und springt automatisch ein, wenn der erste den Geist aufgibt. Damit wird eine Überhitzung des NAS verhindert. Hingegen gibt es kein redundantes Netzteil, weil dieses extern verbunden wird.
Ein Lüfter dreht, der andere steht bereit
Quelle: PCtipp.chDie DS414 ist im Betrieb überraschend leise. Sie ist so leise, dass sie im Büro nicht wahrgenommen wird. Allerdings ist sie nicht leise genug für das Wohnzimmer – es sei denn, sie wird zum Beispiel durch ein lauschiges Sofa gedämpft. Im Schlafzimmer wäre ein Platz unter dem Bett eine Option, wenn die Matratze zum Schalldämpfer wird. Am besten verstaut man den edlen Würfel jedoch in der Besenkammer oder im Keller, einen Ethernet-Anschluss vorausgesetzt. Man muss ja nicht ständig herumzeigen, was man hat.
Kapazität und Datensicherheit
Unser Gerät wurde mit 4 Festplatten à 4 Terabyte (TB) geliefert, also mit 16 TB oder rund 16’000 Gigabytes. Damit lässt sich arbeiten. Bereits ab Werk sind die Festplatten zu einem RAID-5-Verbund gekoppelt und verhalten sich deshalb wie ein einziger, riesiger Massenspeicher. Fällt eine der Festplatten aus, kann sie im laufenden Betrieb durch eine neue ersetzt werden (Hot Swap). Anschliessend rekonstruiert das System den Inhalt automatisch und stellt so die Sicherheit wieder her. Daten gehen dabei keine verloren, aber das Arbeitstempo lässt während der Rekonstruktion nach.
Ein RAID-Verbund, bei dem sich die Festplatten gegenseitig absichern
Quelle: PCtipp.chFür dieses Sicherheitsnetz wird ein Viertel der Kapazität für Prüfsummen aufgewendet, und das System selbst benötigt auch noch Platz. Unter dem Strich bleiben von den 16 TB Speicher knapp 11 TB übrig, die gefüllt werden können. Die RAID-Anordnung liesse sich zwar ändern, sodass der gesamte Platz frei wird; doch in Anbetracht der vielen Daten, die auf einem NAS normalerweise gespeichert werden, wäre das ein unverantwortlicher Leichtsinn.
Von 16 TB stehen netto 10.73 TB zur Verfügung
Quelle: PCtipp.chSolange nur eine Festplatte ausfällt, gehen also keine Daten verloren und der Betrieb läuft ungehindert weiter. Hauchen jedoch zwei Festplatten gleichzeitig ihr Leben aus, sind die Inhalte des ganzen RAIDs unwiderruflich verloren. Der NAS ist also keine Versicherung gegen Elementarschäden wie Wasser, Feuer oder Blitzschlag.
Nächste Seite: Installation
Installation
Die Installation …
… ist tatsächlich ein Kinderspiel. Der NAS wird über Ethernet mit dem Router verbunden und eingeschaltet. Nach wenigen Minuten leuchten die grünen LEDs der Festplatten konstant und zeigen die Betriebsbereitschaft an. Um die DS414 zu konfigurieren, wird in einem Browser die Adresse «http://find.synology.com» eingegeben, damit das Gerät im LAN aufgespürt und verbunden wird. (Name admin, Kennwort leer lassen.) Zwar enthält die mitgelierte DVD den «Synology Assistant» für Macs und PCs, doch der macht auch nichts anderes, als die DiskStation im Netz anzuzeigen. Die ganze Administration läuft jetzt und in Zukunft im Browser ab, und das ist auch gut so.
Die DiskStation wird im Netz automatisch erkannt
Quelle: PCtipp.chEin Assistent geleitet durch die Einrichtung. Unser Testgerät wurde mit dem «Disk Station Manager» (DSM) 4.2 ausgeliefert, aktuell ist jedoch der wesentlich modernere DSM 5.0. Es brauchte nicht weniger als vier Update-Durchläufe, bis das aktuellste System aufgespielt war. Das dauerte ungefähr eine halbe Stunde.
Die Festplatten des NAS sind beim Einschalten bereits konfiguriert. Es fehlt lediglich ein Benutzer, der im Rahmen der Inbetriebnahme angelegt wird. Ihm und allen anderen Benutzern wird automatisch ein privates Verzeichnis zugeteilt, was den Aufwand des Administrators in grösseren Umgebungen deutlich reduziert. So getan, taucht die DS414 im Netzwerk auf. Die erste Installation ist abgeschlossen.
Und los geht’s!
Quelle: PCtipp.chDoch das ist noch nicht einmal die vielzitierte Spitze des Eisbergs. Jetzt geht der Spass erst richtig los.
Nächste Seite: Dienste & Paketzentrum
Dienste & Paketzentrum
Von einem NAS erwartet man in erster Linie, dass er Dateien speichert und wieder verteilt. Diese Kunstform treibt Synology seit Jahren auf die Spitze. Die Firma hat sich einen fast schon legendären Ruf erworben, was die schiere Menge an Funktionen angeht. Tatsächlich sind die Möglichkeiten so umfassend, dass jeder Versuch einer Aufzählung zum Scheitern verurteilt ist. Stattdessen versuchen wir es mit ein wenig Rosinenpickerei.Die Steuerung
Über die Systemsteuerung werden die grundlegenden Funktionen justiert, Datenträger und Benutzer verwaltet und dergleichen mehr. Die Web-Oberfläche ist dabei so aufgebaut, dass man sich fast in einer «echten» Anwendung wähnt. Die Einstellungen sind scheinbar endlos. Jeder noch so kleine Parameter kann umgedreht werden. Allerdings ist es in einer privaten Umgebung problemlos möglich, diesen Einstellungen aus dem Weg zu gehen und den NAS einfach seine Arbeit machen zu lassen. Wenn das Selbstvertrauen wächst, kann man sich um die ersten Feinheiten kümmern. In jedem Fall ist es eine gute Idee, bei YouTube einige Videos zu studieren, die sich mit dem Disk Station Manager 5.0 auseinandersetzen.
Die Systemsteuerung des Disk Station Manager 5.0
Quelle: PCtipp.chDas Paket-Zentrum
Zu den besten Eigenschaften gehört jedoch das Paket-Zentrum, das einem Synology-eigenen App-Store entspricht. Hier werden kostenlose Module angeboten, mit denen der Funktionsumfang in alle Richtungen erweitert werden kann. Gleichzeitig bleibt die Übersicht gewahrt, wenn man nur jene Module installiert, die tatsächlich gebraucht werden.
Schlaraffenland für Administratoren: Das Paket-Zentrum
Quelle: PCtipp.chFür das Heimnetzwerk sind vor allem folgende Erweiterungen interessant:
Medienserver. Für Medien-Fans das wichtigste Paket von allen. Es verwandelt die DS414 in einen DLNA-Server, sodass die Inhalte in den Verzeichnissen «photo», «video» und «music» von vielen Geräten angezapft werden können: Smart-TVs, Spielkonsolen, Mobilgeräten, Media-Adaptern usw. Auf iOS-Geräten kann zum Beispiel der VLC Player für iOS installiert werden, damit nahezu jede beliebige Datei auf das Gerät gestreamt und abgespielt wird – wenn es sein muss in Full-HD, mit mehreren DTS-Tonspuren und Untertiteln.
Beliebige Filme werden zum Beispiel vom NAS auf das iPad übertragen, hier in «VLC für iOS»
Quelle: PCtipp.chDS Video. Dieses Paket ist die bessere Alternative zum Medienserver – wenn sich das Zielgerät damit versteht. Die Filme werden durch Covers und weitere Informationen ergänzt. Das klappt fast immer, solange für die Bezeichnungen der Filmdateien mit jener die Internet-Filmdatenbank imdb.com übereinstimmen. Nur wenige, eher unbekannte Filme wurden nicht gefunden.
Während der Medienserver mit jedem DLNA-fähigen Gerät zusammenarbeitet, benötigt DS Video einen verständnisvollen Client. Das kann die iOS- oder Android-App sein (siehe Bildstrecke unten). Für Samsung-Fernseher mit Smart Hub steht ebenfalls eine eigene App bereit, was das Zusammenspiel auf ein ganz neues Niveau hebt – zumindest grafisch gesehen. Über ein solches Modul für andere Marken ist zurzeit leider nichts bekannt.
Kommentare